Wahlprognose für die Bundes­tags­wahl 2017 mit Nicht­wähler­anteil (NWA)

Bei den letzten Bundestagswahlen lag die Wahlbeteiligung knapp über 70 Prozent. In dieser Prognose für die Wahl 2017 wird der Nichtwähleranteil berücksichtigt. Diese Wahlprognose ist die zweite von vier Prognosen:

1. Klassische Prognose
2. Wahlprognose mit Nichtwähleranteil
3. Prognose: Wenn die AfD Trump wäre
4. Alternative Wahlprognose (auf 2017-bundestagswahl.de)

→ Zur Übersicht aller Prognosen

Nichtwähler bei der Bundestagswahl - Grafik der möglichen Ergebnissen der Wahl 2017 mit Wahlbeteiligung

Nichtwähler sollten bei Prognosen und Wahlergebnissen berücksichtigt werden

Bei der allgemein akzeptierten Darstellung von Wahlergebnissen wird die schwache Wahlbeteiligung von etwa 70 bis 75 Prozent nicht berücksichtigt. Die Möglichkeit besteht jedoch, die für eine Partei abgegebenen Stimmen in Relation zu der Zahl der Wahlberechtigten und nicht zu den abgegebenen Stimmen zu setzen, wie bei dem oben dargestellten Diagramm.

Warum sollte man Nichtwähler berücksichtigen?

Schließlich entscheiden Nichtwähler selbst, an der Wahl nicht teilzunehmen. Daher könnte man es für angemessen halten, Enthaltung nicht darzustellen. Diese weitverbreitete Meinung, dass es gerecht sei, Nichtwähler bei der Darstellung von Wahlprognosen und Wahlergebnissen nicht zu berücksichtigen, geht an dem Hauptgrund der Wahlabstinenz vorbei: Das Fernbleiben von dem Wahlgeschehen ist eine politisch-motivierte Entscheidung.

In einer Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung1 geben lediglich 15 Prozent der befragten 3501 bekennenden Nichtwähler an, bei den letzten Bundestagswahlen aus nicht-politischen Gründen (Urlaub, Krankheit, Wetter) nicht gewählt zu haben. Die Hauptgründe für die Enthaltung bei den Bundestagswahlen sind Unmut über Politiker sowie Unzufriedenheit mit Programmen der Parteien. Erfahren Sie weitere Gründe in dem Artikel über Wahlbeteiligung bei Bundestagswahlen.

Sitzverteilung im Bundestag unter Berücksichtigung der Nichtwähler

Würde sich die Wahlbeteiligung in der Sitzvergabe im Bundestag widerspiegeln, wären bei einer Wahlbeteiligung von z. B. 71,5 Prozent (wie bei der Bundestagswahl 2013) 183 der 598 Sitze unbesetzt.

Verteilung der Sitze im Parlament (Halbkreis-Diagramm) mit Nichtwähleranteil

Die Fünf-Prozent-Hürde als Enthaltungsgrund bei Bundestagswahlen

Nicht zuletzt ist die Fünf-Prozent-Hürde ein wichtiger Grund der Enthaltung. Was nützt eine abgegebene Stimme, wenn die gewählte Partei nicht in den Bundestag einzieht, weil sie weniger als 5 Prozent der Zweitstimmen bekommt? Bei der Bundestagswahl 2013 wurde die Stimme und somit die politische Meinung von 6,86 Millionen Wählern wegen der Fünf-Prozent-Hürde nicht berücksichtigt.

Erfahren Sie mehr über die Fünf-Prozent-Hürde und die Gründe, warum die Repräsentationsfunktion des Bundestags nicht erfüllt wird, in den folgenden Artikeln:

Vier Prognosen zur Bundestagswahl

1. Klassische Prognose
2. Wahlprognose mit Nichtwähleranteil
3. Prognose: Wenn die AfD Trump wäre
4. Alternative Wahlprognose (auf 2017-bundestagswahl.de)

→ Zur Übersicht aller Prognosen

  1. Quelle: Manfred Güllner: Nichtwähler in Deutschland (PDF), Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung, 2013. Seite 72: Wahlabstinenz: Ursachen und Gründe.

4 Comments

  1. Ich denke, dass es derzeit keine sicheren Prognosen gibt. Das Land ist bis in die Familien hinein tief gespalten. Die Theorie der „Spirale des Schweigens“ liegt über dem ganzen Land. Wer nicht die Meinung des Mainstreams vertritt ist ein schlechter Mensch, er ist inhuman und ein Nazi.

    Die Menschen im Land sind mit ihrer Meinung zurückhaltender als die Menschen im Osten vor der Wende. Sie haben Angst falsch interprätiert zu werden. Sie haben Angst, das sie sich beruflich schaden und dass ihre Kinder und ihrem privates Eigentum Schaden nimmt. Und da die Regierung und die Medien dieses Drohverhalten Andersdenkender gegenüber nicht unterbindet oder wenigstens kritisiert und als undemokratisch hinstellt, werden viele Menschen ihre aktuellen Wahlentscheidungen nicht bekennen.

    Der aus meiner Sicht größte Unsicherheitsfaktor sind die derzeitigen Nichtwähler. Wenn sie von der Entwicklung im Land zum Wählen aktiviert werdern, kann sich das Wahlergebnis völlig verändern.

  2. Pingback: Wie schaffen wir einen Regierungswechsel zum Positiven? - Quarky denkt quer

  3. Die Partei der Nichtwähler sollte auch im Bundestag dokumentiert werden. Als Platzhalter könnten Gummipuppen dienen. Was derzeit im Bundestag geboten wird ist absolut undemokratisch (Fraktionszwang, Koalitionsvertrag…).

    Wohlverhalten bestimmt wer in den Bundestag einzieht und nicht der Wähler. Eine kleine Führungsclique entscheidet. Ein Problem ist Lobbyismus und auch Korruption. Schöner Nebeneffekt: die Puppen sind billiger.

  4. Ich – Niederländer – wohne seit meiner Geburt in Deutschland. Ich würde mich im Rahmen eines gemeinsamen Europa darüber freuen, wenn ich außer an Kommunalwahlen auch an der Bundestagswahl teilnehmen dürfte. Wahlrecht für EU-Bürger mit Wohnsitz in Deutschland länger als 6 Monate fände ich sehr europäisch.

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