Teil 1 von 2 Die Bundestagswahl 2017: Prognose, Parteien, Kandidaten, Koalitionen

Die nächste Bundestagswahl findet am 24. September 2017 statt, mehr als 40 Parteien wurden zur Wahl zugelassen.

Prognose für die Bundestagswahl 2017

Bundestagswahl 2017Gewinne und Verluste der Parteien bei der Wahl 2017

Bundestagswahl - Ausgangslage (Ergebnis)

Ergebnissen der Bundestagswahlen 2013 und 2017 im Vergleich

Trotz Verlusten: großer Vorsprung für die Union

Nach aktuellen Umfragen1 zur Bundestags­wahl 2017 bekommt die Union (CDU/CSU) 36,3 Prozent der Wähler­stimmen. Das sind 5,2 Prozent­punkte weniger als bei der letzten Bundestags­wahl im Jahr 2013. Die Union bleibt mit fast 14 Prozent Vor­sprung zur SPD die stärkste poli­tische Kraft in Deutschland.

Die Union hat ihren Tiefststand aus der Zeit des Höhe­punktes der Flüchtlings­krise eindeutig über­wunden. Dennoch kann sie an ihren Best­wert (43 Prozent im August 2015) zurzeit nicht anknüpfen.

Angela Merkel, Kandidatin der Union (CDU/CSU) zur Bundestagswahl

Angela Merkel will für eine vierte Amtszeit antreten.

Foto: EPP. Lizenz: CC BY 2.0. Quelle: Flickr

Die 62-jährige Angela Merkel ist seit 2005 Bundes­kanzlerin. Alle aktuellen Umfragen deuten darauf hin, dass sie nach der Bundestags­wahl 2017 erneut zur Kanzlerin gewählt werden wird.

Angela Merkel ist die zweitälteste Spitzen­kandidatin der großen Parteien: Kurz nach der Hälfte ihrer vierten Amts­zeit würde sie das Renten­eintritts­alter für ihren Jahr­gang erreichen.

Nach den letzten Bundes­tags­wahlen bildeten sich unter Angela Merkels Führung folgende Koalitionen:

  • Bundestagswahl 2005: Große Koalition (448 von 614 Sitzen)
  • Bundestagswahl 2009: schwarz-gelbe Koalition (332 von 622 Sitzen)
  • Bundestagswahl 2013: Große Koalition (504 von 631 Sitzen)

Leichte Verluste für die SPD

Die Umfragewerte der SPD drohten im Januar 2017 unter 20 Prozent zu sinken. Dank der Nominierung von Martin Schulz als Kanzler­kandidat der SPD konnte die Partei innerhalb von wenigen Wochen ein Umfrage-Plus von zwölf Prozent­punkten verzeichnen.

Nach dem „Schulz-Hype“ kam die Er­nüchterung: Nur wenige Wochen später bröckelte der Zuspruch für die SPD erneut. Bei dem derzeitigen starken Vor­sprung der Union bei Umfragen scheint ein Um­schwung bis zur Bundes­tags­wahl quasi unmöglich.

Entsprechend der aktuellen Prognose bekommt die SPD den Zuspruch von 22,5 Prozent der Wähler. Die Sozial­demokraten verlieren 3,2 Prozent­punkte im Ver­gleich zur letzten Bundestagswahl.

Martin Schulz ist Kandidat der SPD für die Bundestagswahl

SPD-Spitzen­kandidat Schulz steht wegen „kritik­würdigen Umgangs mit Steuer­geldern“ in der Kritik.

Foto: SPÖ Presse und Kommunikation. Lizenz: CC BY-SA 2.0. Quelle: Flickr

Der 61-jährige Martin Schulz ist der drittälteste Spitzenkandidat nach Alexander Gauland und Angela Merkel. Der ehe­malige Buch­händler und Bürger­meister von Würselen (NRW) spricht sechs Sprachen fließend und ist dafür bekannt, erfolgreicher Jugend­fußballer gewesen zu sein. Von 2012 bis 2017 war Schulz Präsident des Europäischen Parlaments.

Schulz und die EU-Affäre: Pseudo-Dienst­reisen und über­bezahlte Mitarbeiter

Anfang 2017 wurde Martin Schulz vom Europa­parlament für einen „kritik­würdigen Umgang mit Steuer­geldern“ gerügt. Schulz hatte seinen damaligen Pressesprecher und heutigen Wahlkampf­manager Markus Engels fälschlicher­weise auf „Dauer­dienstreise“ geschickt. So bekam Engels zusätzlich mehr als 16.600 Euro Auslands­zuschläge auf Kosten der europäischen Steuerzahler.2

Weiter wird Schulz vom EU-Parlament vor­geworfen, Mitarbeitern zu hohe Sonder­zulagen gezahlt sowie regel­widrige Beförderungs­beschlüsse unter­schrieben zu haben.3

Merkel oder Schulz: wer wird Bundeskanzler?

Martin Schulz oder Angela Merkel: Wer wird BundeskanzlerIn?

Foto: Erlebnis Europa. Lizenz: CC0 (public domain). Quelle: Flickr

Oppositionsführer statt Bundeskanzler?

Die Chancen von Schulz, Bundes­kanzler zu werden, sind gering: Weder Rot-Rot-Grün noch eine Ampel­koalition kommen laut Prognose auf eine Mehrheit im Bundestag.

Wahrscheinlich steht der SPD-Spitzen­kandidat nach der Bundes­tags­wahl vor zwei Möglichkeiten:

  • Bundesminister sowie eventuell Vize­kanzler zu werden, wenn die SPD Junior­partner in einer Neuauflage der großen Koalition werden sollte.
  • Oppositionsführer zu werden, falls es zu einer schwarz-gelben Regierung kommen sollte.

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Die Linke auf dem dritten Platz

Seit der letzten Bundestags­wahl erreichte die Linke in Umfragen mehrmals Spitzen­werte von 11 Prozent­punkten. Seit Anfang 2017 hat die Partei bei den Umfragen jedoch mehrere Prozent­punkte verloren.

Laut derzeitiger Prognose kann die Linke bei der kommenden Bundestags­wahl 9,5 Prozent der Wähler­stimmen erwarten – ein ähnliches Ergebnis wie bei der letzten Wahl im Jahr 2013 (8,6 Prozent).

Ihr bestes Ergebnis bei Bundestags­wahlen erreichte die Links­partei im Jahr 2009. Damals über­zeugte die Linke 11,9 Prozent der Wähler.

Kandidatin der Linken für die Bundestagswahl

Sahra Wagenknecht im Wahlkampf für DIE LINKE

Foto: DIE LINKE NRW Lizenz: CC BY-SA 2.0. Quelle: Flickr

Für die Bundestagswahl 2017 stellt die Linke mit Dietmar Bartsch und Sahra Wagenknecht ein Spitzen­duo, das beide Flügel der Partei vertritt.

Sahra Wagenknecht war von 2004 bis 2009 Mitglied des Europa­parlaments. Seit der Bundestags­wahl 2009 ist sie Abgeordnete im Deutschen Bundestag. 2015 wurde sie zusammen mit Dietmar Bartsch Vor­sitzende der Fraktion der Linken im Bundestag.

Sahra Wagenknecht gehört zum linken Flügel der Partei. Durch ihre kompromiss­losen Positionen hat sie den Status einer Symbol­figur für die Links­partei erreicht. Im Internet ist sie für ihre Reden im Bundestag bekannt: Diese wurden u.a. auf YouTube und Facebook mehrere Hundert­tausend Mal angeschaut.

Bundestagswahl: Bartsch Kandidat der Linke

Dietmar Bartsch ist mit Sahra Wagenknecht Spitzen­kandidat der Linken

Foto: DIE LINKE Sachsen-Anhalt. Lizenz: CC BY 2.0. Quelle: Flickr

Dietmar Bartsch ist Verfechter einer rot-rot-grünen Koalition nach der Bundestags­wahl. Er gehört zum Reform­flügel der Links­partei und gilt als Pragmatiker und Anti-Revolutionär.

Bartsch kann auf eine lange Liste an Spitzen­positionen innerhalb der Partei zurück­blicken. Obwohl er als Spitzen­kandidat bereits an den Bundestags­wahlen 2002 (PDS) und 2012 teil­genommen hat, ist er beim breiten Publikum weniger bekannt als seine Spitzen­duo-Kollegin Wagenknecht.

Die FDP kann wieder aufatmen

Die Bundestagswahl 2013 war für die FDP ein absolutes Wahl­debakel: Die Partei verlor zwei Drittel ihrer Wähler und musste zum ersten Mal in der Partei­geschichte aus dem Bundes­tag ausscheiden.

In Hinblick auf die Bundestags­wahl 2017 können die Liberalen wieder auf­atmen. Seit 2016 liegt die FDP bei Um­fragen nicht mehr unter der Fünf-Prozent-Marke, der Wieder­einzug in den Bundes­tag scheint gesichert.

Laut Prognose kann die FDP bei der Bundestags­wahl 2017 etwa zehn Prozent der Wähler­stimmen erwarten. Das sind 5,2 Prozent­punkte mehr als 2013 und der größte zu erwar­tende Zuwachs aller Parteien.

Christian Lindner ist der Spitzenkandidat der FDP für die Bundestagswahl

Christian Lindner ist Spitzen­kandidat der FDP für die Bundestagswahl.

Foto: Raimond Spekking. Lizenz: CC BY-SA 4.0. Quelle: Wikimedia

Spitzenkandidat der FDP für die Bundes­tags­wahl ist der 38-jährige Christian Lindner. Nach der ekla­tanten Nieder­lage der FDP bei der Bundestags­wahl 2013 und dem Rücktritt von Philipp Rösler wurde Lindner zum jüngsten Vor­sitzenden der Parteigeschichte.

Lindner hat die Liberalen bereits erfolgreich als Spitzen­kandidat geführt: Bei der Land­tags­wahl in NRW im Mai 2017 war er Spitzen­kandidat der FDP Nord­rhein-West­falen. Die Partei konnte 12,6 Prozent der Wähler über­zeugen, das beste Land­tagswahl­ergebnis ihrer Geschichte in NRW.

Affäre um die anonymen Änderungen der Wikipedia-Seite von Lindner

Die Wirtschaftswoche meldete Anfang 2013 zahl­reiche anonyme „beschönigende“ Änderungen des Wikipedia-Eintrags über Christian Lindner. Viele dieser Änderungen stammten von IP-Adressen, die Lindner und seinen Mit­arbeitern gehörten.4

Des Weiteren sollen Lindner-Mitarbeiter sowie eine Rechts­anwalts­kanzlei damit beauftragt worden sein, bestimmte Artikel über Lindner in verschie­denen Internet­medien (darunter die Wirtschafts­woche) zu löschen oder zu ver­ändern, damit diese nicht mehr als Quelle bei Wikipedia zitiert werden können.5

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Leichte Verluste für die Grünen

Im Vergleich zur letzten Bundestags­wahl könnte Bündnis 90/Die Grünen bei der Bundestags­wahl 2017 etwa 0,4 Prozent­punkte verlieren. Derzeit würden laut Prognose acht Prozent der Wähler ihr Kreuz bei den Grünen machen.

Deutlich kritischer wird es für die Grünen, wenn man die Tendenz der letzten Monate beobachtet. In der ersten Hälfte des Jahres 2016 gaben bis 14 Prozent der Befragten an, für die Grünen stimmen zu wollen. Glaubt man den Umfragen, haben die Grünen innerhalb eines Jahres fast die Hälfte ihrer Wähler­schaft verloren.

Die Partei Bündnis 90/Die Grünen geht mit zwei Spitzen­kandidaten, von der Partei „Spitzen­duo“ genannt, in den Wahl­kampf. Wie bei der letzten Bundes­tags­wahl wurden die Kandidaten von den Partei­mitgliedern über die „Grüne Urwahl“ ausgewählt. So siegten Anfang 2017 zwei Vertreter des „Realo“-Flügels der Grünen.

Katrin Göring-Eckardt

Katrin Dagmar Göring-Eckardt (KGE) war von 2005 bis 2013 Vize­präsidentin des Deutschen Bundes­tages. Bereits bei der Bundes­tags­wahl 2013 war sie Spitzen­kandidatin der Grünen, damals zusammen mit Jürgen Trittin. Seit Oktober 2013 ist sie neben Anton Hofreiter Vor­sitzende der Bundestags­fraktion der Grünen.

Katrin Göring-Eckardt, Kandidatin der Grünen bei der Bundestagswahl

Katrin Göring-Eckardt, Kandidatin der Grünen

Foto: Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen. Lizenz: CC BY 2.0. Quelle: Flickr

Göring-Eckardt wird als kon­servative Grüne wahr­genommen, oft in Zusammen­hang mit Themen wie Heimat, Familie und Religion. Sie steht der Links­partei und deren Kern­aussagen kritisch gegen­über (z.B. bedingungs­loses Grund­einkommen)6, und wird oft mit einer schwarz-grünen Koalition in Ver­bindung gebracht.7

Cem Özdemir

Cem Özdemir ist seit 2008 Bundesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen und ist damit der am längsten amtierende Vorsitzende der Partei. Ab Herbst 2017 wird er jedoch nach eigenen Angaben nicht mehr für diese Funktion zur Verfügung stehen.

Cem Özdemir, Kandidat der Grünen bei der Bundestagswahl

Cem Özdemir, Kandidat der Grünen

Foto: Stephan Röhl/Heinrich-Böll-Stiftung. Lizenz: CC BY-SA 2.0. Quelle: Flickr.

Als Abgeordneter hatte Özdemir bis jetzt folgende Positionen inne:

  • 1994 bis 2002 (zwei Legislaturperioden): Abgeordneter im Bundestag
  • 2004 bis 2009: Abgeordneter des Europäischen Parlaments
  • 2013 bis 2017: zum dritten Mal Bundestagsabgeordneter

Die Grünen bei der Bundestagswahl

Als konservativer Grüner schließt Cem Özdemir eine Koalition mit der Linkspartei aus. Nachdem eine rot-grüne Regierung laut Umfragen rechnerisch unmöglich erscheint, setzt der Chef der Grünen auf eine schwarz-grüne oder eine Jamaika-Koalition.

Für eine solche Koalition setzt er folgende Bedingungen voraus:

  • die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare
  • den Kohleausstieg
  • ein Einwanderungsgesetz ohne Obergrenze für Flüchtlinge

Gute Aussichten für die AfD

Im Sommer 2015 entsprach die Wahlprognose für die Alternative für Deutschland (AfD) etwa dem Ergebnis der Wahl 2013 (ungefähr 4 bis 5 Prozent). Mit der Verschärfung der Flüchtlingskrise in den Jahren 2015 und 2016 verzeichnete die Partei einen sehr starken Zuwachs: Ende 2016 lag die AfD bei manchen Umfragen deutlich über 14 Prozent.

Die zurückgehenden Flüchtlingszahlen, parteiinterne Konflikte sowie der „Schulz-Effekt“ bei der SPD führen zu einem Rückgang der Wahlabsichten für die AfD. Laut Prognose erreicht die AfD derzeit 9,5 Prozent, was immerhin einem Zuwachs von 4,8 Prozentpunkten gegenüber der Wahl 2013 entspricht.

Auch die AfD geht mit zwei Spitzen­kandidaten in den Wahl­kampf: Alice Weidel und Alexander Gauland.

Alexander Gauland

Alexander Gauland, AfD

Alexander Gauland, Spitzenkandidat der AfD

Foto: JouWatch. Lizenz: CC BY-SA 2.0. Quelle: Flickr.

Alexander Gauland ist mit 76 Jahren der älteste Spitzenkandidat der etablierten Parteien. Für sein Geburtsjahr (1941) liegt die Regelaltersgrenze bei 65 Jahren: Diese Grenze hat er bereits vor 11 Jahren erreicht.

Gauland war von 1973 bis 2013 Mitglied der CDU, er zählte zum rechten Flügel der Partei. 2013 wurde er zum stellvertretenden Sprecher der neu gegründeten Alternative für Deutschland gewählt und wird in den Medien oft als „AfD-Vize“ oder „Parteivize“ bezeichnet.

AfD-Kandidat Gauland (Zitat)

Im selben Jahr wurde Alexander Gauland Abgeordneter des Brandenburger Landtags, 2014 wurde er zum Fraktionsvorsitzenden der AfD im Landtag gewählt.

Gauland sorgt regelmäßig wegen rechtsradikaler Äußerungen für Schlagzeilen. So erklärte er im Mai 2017 in einem Interview mit dem Schweizer Tagesanzeiger:8

AfD-Kandidate und Programm

In Deutschland leben ca. 3 Millionen türkischstämmiger Menschen.9

Alice Weidel

Alice Weidel, Spitzenkandidatin der AfD bei der Bundestagswahl

Alice Weidel, Spitzenkandidatin der AfD

Foto: JouWatch. Lizenz: CC BY-SA 2.0. Quelle: Flickr.

Informationen über die Spitzenkandidatin der AfD Alice Weidel folgen demnächst.

Bundestagswahl 2017: Alter der Spitzenkandidaten

Alter der Kandidaten bei der Bundestagswahl

Drei von den etablierten Parteien ziehen in den Wahl­kampf mit einem Spitzen­duo. Dabei fallen die Kandidaten der AfD besonders auf: Die Partei stellt sowohl den jüngsten als auch den ältesten Spitzen­kandidaten:

  • Alice Weidel, 38, ist einen knappen Monat jünger als Christian Lindner (FDP)
  • Alexander Gauland, 76, hat das Renten­eintritts­alter um mehr als 11 Jahre überschritten.

Nach Alexander Gauland ist Angela Merkel die älteste Kandidatin. Sollte sie Bundes­kanzlerin werden, wird sie kurz nach der Hälfte ihrer Amts­zeit das Renten­eintritts­alter erreichen.

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Prognose für die Sitzverteilung im Bundestag

Prognose für die Sitzverteilung im Bundestag

Diese Verteilung ergibt sich bei insgesamt 598 Sitzen ohne Über­hang­- und Aus­gleichs­man­date10. Bei der letzten Bundestags­wahl scheiterten FDP und AfD an der Fünf-Prozent-Hürde und waren im Bundestag nicht vertreten.

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Denkbare Koalitionen nach der Bundestagswahl 2017

Bei den möglichen Koalitionen nach der Bundestags­wahl 2017 wird mit einer Besetzung des Bundestags mit 598 Sitzen gerechnet. Bei einer fiktiven Sitz­verteilung ohne Ausgleichs- und Überhang­mandate ergibt sich ab 300 Sitzen eine Mehrheit im Bundestag.

Koalitionen nach der Bundestagswahl

In den folgenden Diagrammen ist jeweils die Anzahl der Sitze möglicher Koalitions­parteien im Bundestag angegeben. Der Pfeil markiert den Punkt, ab dem eine Koalition mehrheits­fähig ist.

Legende: Grüne Zahlen bedeuten eine Mehrheit der Wähler­stimmen beziehungs­weise der Sitze im Bundestag. Rote Zahlen hingegen signalisieren, dass diese Koalition keine Mehrheit hat.

Große Koalition (CDU + SPD)

CDU
227
SPD
141
Restl.
230
  • Wählerstimmen laut Prognose: 58,8 %
  • Sitze im Bundestag laut Prognose: 368 von 598
  • Letzte Große Koalition im Bundestag: 2013 – 2017

Derzeit ist es am wahrscheinlichsten, dass Union und SPD ihre Große Koalition unter der Führung von Angela Merkel fortsetzen.

Jamaika-Koalition (CDU + FDP + Grüne)

CDU
227
FDP
62
G
50
Restl.
259
  • Wählerstimmen: 54,3 %
  • Sitze im Bundestag: 339 von 598
  • Letzte Jamaika-Koalition im Bundestag: noch nie vorgekommen

Schwarz-gelbe Koalition (CDU + FDP)

CDU
227
FDP
62
Restl.
309
  • Wählerstimmen laut Prognose: 46,3 %
  • Sitze im Bundestag laut Prognose: 289 von 598
  • Letzte schwarz-gelbe Koalition im Bundestag: Wahl­periode 2009 – 2013

In den letzten Monaten erlebte die FDP einen raschen Zuwachs bei Umfragen zur Bundestags­wahl. Die nach der Landtagswahl in NRW entstandene schwarz-gelbe Koalition lässt ein ähnliches Ergebnis bei der Bundestags­wahl 2017 realistisch erscheinen.

Schwarz-grüne Koalition (CDU + Grüne)

CDU
227
G
50
Restl.
321
  • Wählerstimmen laut Prognose: 44,3 %
  • Sitze im Bundestag laut Prognose: 277 von 598
  • Letzte schwarz-grüne Koalition im Bundestag: noch nie vorgekommen

Über eine schwarz-grüne Koalition als mögliches Bündnis nach der Bundestags­wahl 2017 wird kaum berichtet. Dabei ist Schwarz-Grün rein rechnerisch sehr nah an einer Mehrheit. Der Wusch der Union und der FDP, ein Bündnis einzugehen, macht Schwarz-Grün jedoch unwahrscheinlich.

Auf Landesebene gibt es derzeit zwei schwarz-grüne Regierungen:

  • Seit der Landtagswahl 2013 in Hessen regiert Schwarz-Grün unter CDU-Führung mit Volker Bouffier (CDU) als Ministerpräsident.
  • Seit der Landtagswahl 2016 in Baden-Württemberg regiert zum ersten Mal eine schwarz-grüne Koalition unter Führung der Grünen, auch Kiwi-Koalition genannt. Minister­präsident ist der grüne Politiker Winfried Kretschmann.

Ampelkoalition: Rot-Gelb-Grün (SPD + FDP + Grüne)

SPD
141
FDP
62
G
50
Restl.
348
  • Wählerstimmen laut Prognose: 40,5 %
  • Sitze im Bundestag laut Prognose: 253 von 598
  • Letzte Ampelkoalition im Bundestag: noch nie vorgekommen

Eine Ampelkoalition zwischen SPD, Grünen und FDP ist derzeit genauso un­wahr­scheinlich wie eine rot-rot-grüne Koalition nach der Bundestags­wahl. Dennoch ist eine solche Koalition der Wunsch des kon­servativen Seeheimer Kreises11 in der SPD.12 Ob die FDP eine solche Koalition eingehen würde, ist unsicher.

R2G: rot-rot-grüne Koalition (SPD + Linke + Grüne)

SPD
141
L
59
G
50
Restl.
347
  • Wählerstimmen laut Prognose: 40,0 %
  • Sitze im Bundestag laut Prognose: 250 von 598
  • Letzte Ampelkoalition im Bundestag: noch nie vorgekommen

Die deutlich gestiegenen Umfrage­werte der SPD seit der Ernennung von Martin Schulz als Kanzler­kandidat ließen Anfang 2017 eine rot-rot-grüne Koalition möglich erscheinen.

Zitat von Martin Schulz zur Bundestagswahl - Die SPD will den Bundeskanzler stellen

Mittlerweile sind die Umfrage­werte der SPD wieder stark gesunken: Entsprechend der derzeitigen Prognose käme eine rot-rot-grüne Koalition auf 252 Sitze und gilt somit als recht unwahrscheinlich.

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Quellen, Methodologie und Vorbehalte zur Prognose

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Fußnoten anzeigen

  1. Allensbach-Umfrage vom 19.09.2017 sowie Forsa-Umfrage vom 19.09.2017. Quelle: „Sonntags­frage Bundestag­swahl“ auf wahlrecht.de.
  2. Quelle: Spiegel Online, Schulz Wahl­kampf­manager profitierte von frag­würdigen Zahlungen, 11.02.2017
  3. Quelle: FAZ, Die EU-Akte Schulz: Darum geht es bei den Vorwürfen gegen den SPD-Star, 27.04.2017
  4. Quelle: Wikipedia, Christian Lindner, Abschnitt: Kontroversen, eigener Wikipedia-Artikel
  5. Quelle: Heise Online: FDP-Politiker lässt kritische Links per Anwalt löschen, 15.02.2013
  6. Quelle: Polar-Zeitschrift, Streitgespräch mit Katrin Göring-Eckardt und Katja Kipping
  7. Quelle: Wikipedia, Katrin Göring-Eckardt, Abschnitt Politische Positionen
  8. Quelle: tagesanzeiger.ch. Interview von Alexander Gauland: „Der Islam passt nicht zu unseren Werten“
  9. Quelle: Migrationsbericht des BAMF 2013, S. 146.
  10. Die Berechnung der Sitze nach dem Sainte-Laguë/Schepers-Verfahren erfolgt mit Hilfe eines Online-Sitzzuteilungs-Rechners.
  11. Wikipedia: Seeheimer in der SPD
  12. Zeit Online: Rechter SPD-Flügel für Ampel-Koalition mit Grünen und FDP im Bund, 11.01.2017

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18 Comments

  1. Pingback: Bundestagswahl 2017: Wie stehen die Parteien zum Thema Zeitarbeit? - prosoft HR Blog

  2. Pingback: Python: Prognose Bundestagswahl 2017 - Stand: 22.8.2017

  3. Ich glaube schon fast, das letztendlich die Wahlergebnisse an die Umfragen im Vorfeld angepasst werden. Das 90% im Land sich keine Zukunftsgedanken machen, dass wäre schon der Wahnsinn. Opposition heutzutage ist genau so wichtig wie Regierungspartei. Seit 8 Jahren haben wir nur noch eine gleichgeschaltete Opposition mit den Regierenden. Es wäre höchste Zeit das eine AfD mit 20% oder mehr mal frischen Wind rein bringt.

  4. Pingback: Bundestagswahl 24 september 2017 -

  5. Pingback: Martin (ist) Schul(z/d) « Unusual Politics

  6. Pingback: Allemagne: aujourd’hui les Etats-Unis, demain l’Allemagne ? – Le populisme de droite dans le monde

  7. Mindestens 1 Jahr vor der Bundestagswahl dürfte es überhaupt keine Wahlprognosen geben,den diese können die Wahl sehr negativ beeinflussen.

  8. Selbst bei den aktuellen Prognosen ist ersichtlich, dass die CDU wieder stärkste Kraft im BT wird. Und damit ist auch die Wahrscheinlichkeit groß, dass Angela Merkel wieder zur Bundeskanzlerin gewählt wird – unabhängig von der Zusammensetzung der neuen Koalition. Und das ist eigentlich auch gar nicht so schlimm,denn derzeit gibt es in der deutschen Politik keine andere Person, die genug Kompetenz, Erfahrung und Profil hätte, um die Arbeit von Frau Merkel fort zu führen bzw. die entstandenen Probleme zu bewältigen – weder in der CDU, noch in der SPD oder in den anderen Parteien.
    Ob man nun den Kurs von Angela Merkel unterstützt oder nicht, so scheint sie in der gegenwärtigen Situation doch die einzige zu sein, die dieses Amt produktiv ausführen kann.

    • Habe ich auch gedacht, bis ich die „Deutsche Mitte“ mit Christoph Hörstel fand… für jeden zu Empfehlen.

  9. Ich werde nie begreifen, wie Menschen immer noch die CDU/SPD wählen können – Angst vor Neuem oder einfach nur Gewohnheit?

    Jeder Wähler sollte sich bewusst machen, dass er im September 2017 die einzige Möglichkeit hat, die Geschicke dieses Landes mitzubestimmen – danach ist wieder Ruhe für 4 lange Jahre!

  10. Unsicher sind die Schätzungen für die AfD und die FDP. Die Leute, die AfD wählen würden, sagen bei Befragungen nicht immer die Wahrheit. Und die Stimmung, wer die AfD wählt, kann leichter von Zufalls-Ereignissen beeinflußt werden. Ein schwerer Terror-Angriff wie in Paris oder Brüssel kann zu starken Schwankungen beim sogenannten „Volk“ führen. Bei der FDP ist die Nähe zur 5%-Grenze kritisch. Da kann ganz schnell wieder eine Zahl < 5% kommen. Denen fehlt es vor allem an Zustimmung bei der Jugend, glaube ich.

    In Summe kann ich mir nicht vorstellen, dass es zu einer Koalition gegen die Unionsparteien kommen kann. Ob das gut oder schlecht ist, kann ich nicht sagen. Bei der AfD fällt mir auf, dass es außer zum Thema "Flüchtlinge" kaum ein Problem gibt, für das die AfD eine "wertvolle" Lösung anbietet. Damit will ich nicht sagen, dass die Antworten zu den Themen "Deutschtum" und "Flüchtlinge" Lösungen sind, die ich akzeptieren würde. Ganz schlimm sind Äußerungen, die sich anhören, als hätte sie ein Assistent von Goebbels als Text vorgegeben.

  11. Pingback: Medien sind die vierte Macht – wieso Facebook der AFD hilft | Sven Ivo Brinck

  12. Let’s make Umfragen great again!

    Hallo Zusammen,
    nachdem nun die Umfragen in Deutschland über AFD Prozente in Deutschland zur Landtagswahl, dem Brexit und nun auch in Amerika anscheinend nicht funktioniert haben bin ich auf eine Idee gekommen.

    Alle Umfragen funktionieren nach einem System:
    man geht auf Leute zu und lässt sich ihre Wahl zu einem Thema geben. Daher sollte man ja meinen, wenn die Stichprobe groß genug ist (und in repräsentativen Gebieten durchgeführt wurde – siehe Brexit und Umfragen oft in London) sollte es ein gutes Werkzeug sein um den Ausgang vorherzusagen.

    Jedoch wird hier eins nicht beachtet! Und zwar der Emotionalisierungsgrad bzw. der Nichtwähler Anteil zu der Jeweiligen Wahl. Die Stichprobe ist nur ein gutes Werkzeug wenn man davon ausgehen kann, dass die gefragten Leute zu den jeweiligen Optionen ein genauso großen Nichtwähler Anteil besitzen! Wird nun in einer Umfrage von 1000 Leuten 200 mal angegeben „Ich wähl AFD“ und 800 Sonstige wäre die Prognose 20% AFD. Diese wird aber falsch sein und der AFD Anteil höher liegen! Da der Nichtwähler Anteil bei den Leuten welche sich für AFD entschieden haben niedriger sein wird.

    Rechenbeispiel:
    200 Stimmen mal 80% Wahlbeteiligung gleich 160
    800 Stimmen mal 65% Wahlbeteiligung gleich 520
    Resultat wären dann 23.5%

    Das ist meiner Meinung nach der Hauptgrund für ungenaue Prognosen und Rätselraten!

    Verknüpft man nun die Frage nach Option A,B,C mit der Frage „wie stark sind Sie von dieser Wahl überzeugt“ – Skala 1-10 – könnte man einen Korrekturfaktor bauen und dieses Problem in den Griff bekommen. Ich wette, dass auf dieser „Überzeugungsskala“ beispielsweise Trump gegenüber Hillary klar vorne gelegen hätte. Wodurch sich der Wahlausgang besser hätte bestimmen lassen!

    Verknüpfung: die eigentliche Wahl mal Wahrscheinlichkeit das diese Person wählt!
    Bzw. kann man damit super die Emotionalisierung der einzelnen Parteien darstellen.

    Bsp.:
    AFD 20% durchschn. Faktor 8.3
    CDU 31% durchschn. Faktor 6.8
    …..

    Hoffe Ihr könnt etwas damit anfangen und fandet meine kleine Ausführung interessant und nützlich
    Marco

  13. Prognose hin Prognose her, es kommt erstens anders als bisher.
    Auch Rentner sind eine Macht, sie haben sich was ausgedacht,
    denn auch sie werden wieder wählen und sich erinnern,
    was geschehen. Schon unsere Eltern wurden arg betrogen durch die Politik von ganz, ganz oben. Nun werdet ihr alle Lachen auch in Deutschland ist ein Tramp gewachsen.
    Seht nur hin und füchtet ihn nicht, er sagt euch doch nur wohin es
    geht. Den Wahlkampf für die Clinten hat die Presse verloren, Prognosen über das Wahlergebnis gingen in die Hosen. Doch was hat die Politik daraus gelernt ……….
    Ich wünsche mir eine geile Bundestagswahl 2017

    P.E.

  14. Die Prognosen zu den letzten Landtagswahlen waren ja ziemlich gut. Die Differenz bei den Ergebnissen bei J. Klöckner und M. Dreyer wurde konkret so vorausgesagt.
    Ob das aber so mit der Bundestagswahl auch klappt ist fraglich. Zumindest gibt das Internet etwas anders an. Auf https://www.mehrwertsteuerrechner.de/google-trends/bundestagswahl findet sich unter „Parteien wo ist das größte Interesse“ eine aktuelle Grafik über die Suche nach Parteien bei Google. Bei Google ist das Suchvolumen für die AfD deutlich höher als für alle andern Parteien. Was ja nicht heißen muß, diese Bürger würden die AfD wählen.
    Trotzdem könnte die Wahl in der Black Box am Wahltag 2017 die Prognoseanfragen am Telefon durch Meinungsforschungsinstitute konterkarieren.

  15. Eine vorgezogene Wahl wäre wohl mal wieder angebracht in Hinblick auf soviele Veränderungen und Unzufriedenheit- da sind die Schweizer doch demokratischer als wir – die Politik will eindeutig keine Signale mehr wahrnehmen und hat sich seit 20 Jahren dem Volke entfremdet – das Ergebnis zeigt sich jetzt und ist definitiv keine Überraschung – möge die nächste Wahl endlich wirklich mehr Beteiligung genießen zum Wohle unseres Volkes und der Zukunft unserer Wirtschaft

  16. Ich glaube das man überhaupt keine Prognose für die Wahl 2017 abgeben kann. Alles hängt ganz entscheidend davon ab, wie sich die Flüchtlingskrise weiter entwickelt.
    Wenn das so weiter geht, wird es meiner Meinung nach ein hohe Wahlbeteiligung geben, mit einem Ergebnis das mich jetzt schon schaudern lässt. Dann gute Nacht Deutschland.

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