Wenn die AfD Trump wäre: eine alter­native Prognose für die Bundestagswahl 2017

Bei der letzten US-Wahl und bei der Vorwahl für die französische Präsidentschaftswahl 2017 lagen manche führenden Umfrageinstitute sehr weit weg vom tatsächlichen Ergebnis der Wahl. Bei dieser alternativen Prognose zur nächsten Bundestagswahl in Deutschland werden als Versuch ähnliche Fehleinschätzungen bei der AfD berücksichtigt.

Besonders beim Beispiel Fillon können die Diagramme für viele Leser schockierend sein. Es handelt sich hier um ein Experiment, nicht um eine eine realistische Prognose. Diese ist nur eine von vier Prognosen zur Wahl 2017:

1. Klassische Prognose
2. Wahlprognose mit Nichtwähleranteil
3. Prognose: Wenn die AfD Trump wäre
4. Alternative Wahlprognose (auf 2017-bundestagswahl.de)

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Frauke Petry und Donald Trump: wird die Bundestagswahl eine Überraschung?

Foto F. Petry: Metropolitico.org auf Flickr. Lizenz: CC BY-SA 2.0
Foto D. Trump: Michael Vadon auf Flickr. Lizenz: CC BY-SA 2.0

Die ganze Welt war in Aufruhr, als am 8. November 2016 Donald Trump die Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten gewann. Seine Umfragewerte waren (mit seltenen Ausnahmen) deutlich niedriger als die seiner Konkurrentin Hillary Clinton.1

Nicht nur Populismus und eine hohe Anziehungskraft für Protestwähler verbinden Donald Trump in den USA und die Alternative für Deutschland hierzulande. Beide teilen Grundideen wie das Schüren der Ängste vor Einwanderern, Islamfeindlichkeit und fallen durch eine antifaktische2 Haltung auf. Auch ihre Wählerschaft ist laut Umfragen3 4 ähnlich: vorwiegend männlich, mit niedrigem bis mittlerem Bildungsstand.

Was würde passieren, wenn sich bei der nächsten Bundestagswahl am 24. September 2017 eine ähnliche Fehleinschätzung bei den Umfragen zeigen würde wie bei der US-Wahl?

Die Antwort lautet: Das Wahlergebnis in Deutschland würde sich nicht extrem verändern. Der Unterschied zwischen Umfragen und tatsächlichem Wahlausgang betrug bei der US-Wahl nur 1,8 Prozent.5 Wird diese Abweichung auf das Ergebnis einer „klassischen“ umfragebasierten Prognose6 hierzulande angewendet, kommt folgende veränderte Prognose zustande:

Prognose für die Bundestagswahl 2017: wenn die AfD Trump wäreWahlprognose 2017: Gewinne und Verluste (Trump/AfD)

Noch ungenauere Wahlumfragen: wenn die AfD François Fillon wäre

Am 20. und 27. November 2016 fanden offene Vorwahlen der Rechtsparteien im Vorfeld zur französischen Präsidentschaftswahl 2017 statt. Am ersten Wahlgang beteiligten sich 4,3 Millionen Bürger. Als klarer Favorit galt Alain Juppé, Bürgermeister von Bordeaux. Zweiter in den Umfragen war der Ex-Präsident Nicolas Sarkozy.

Das Ergebnis überraschte: François Fillon, ehemaliger Premierminister unter Sarkozy, gewann den ersten Wahlgang der Vorwahl mit 44,1 Prozent der Stimmen. Das waren 28 [sic!] Prozentpunkte mehr als der Durchschnitt der 20 letzten Umfragen vor der Wahl. Alain Juppé und Nicolas Sarkozy erhielten jeweils etwa 10 Prozent weniger Stimmen als erwartet: Alain Juppé 28,6 Prozent und Nicolas Sarkozy 20,7 Prozent.7

Offensichtlich gibt es weniger Parallelen zwischen dem konservativen François Fillon und der AfD als zwischen der AfD und Donald Trump. Bei der französischen Vorwahl stammten alle drei Kandidaten aus der gleicher Partei (Les Républicains, LR), und eine offene Vorwahl lässt sich kaum mit einer Parlamentswahl wie der deutschen Bundestagswahl vergleichen. Dennoch sind die extremen Ungenauigkeiten bei den Umfrageergebnissen im Fall Fillon verstörend.

Als Experiment wurde die Abweichung zwischen Umfragen und tatsächlichem Wahlausgang im Fall Fillon auf das Ergebnis einer „klassischen“ umfragebasierten Prognose angewendet. Im folgenden Diagramm bekommt die AfD also, wie François Fillon bei der französischen Urwahl, 27,95 Prozenpunkte mehr als der Durchschnitt aktueller Umfrageergebnisse. Insgesamt werden zum Ausgleich ebenso viele Prozentpunkte bei den anderen Parteien abgezogen, prozentual zu ihrem jeweiligen Stimmanteil des Umfragedurchschnitts.

Eine alternative Wahlprognose zur Bundestagswahl 2017 (Experiment)Eine alternative Prognose für die Wahl 2017 (Experiment)

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Fußnoten anzeigen

  1. Wikipedia: Umfragen zur US-Wahl 2017 (auf Englisch)
  2. Zum Begriff „antifaktisch“: Die Presse, Postfaktisch war gestern, die Gegenwart ist antifaktisch!, 17.10.2016
  3. Business Insider Deutschland, Analyse der Wählerschaft von Donald Trump (auf Englisch), 11.11.2016
  4. Frankfurter Allgemeine, Wähleranalyse: AfD mobilisiert verängstigte Nichtwähler, 05.09.2016
  5. Methodologie:
    1. Im Durchschnitt der sieben „meta-Umfragen“ (Englisch: aggregate polls, siehe Fußnote 1) hat Clinton 3,9 Prozentpunkte Vorsprung.
    2. Beim endgültigen Wahlergebnis liegt Clinton 2,1 Prozent vor Trump.
    3. Der Unterschied zwischen Umfrage-Durchschnitt und endgültigem Ergebnis beträgt also nur 3,9 – 2,1 = 1,8 Prozent.
    4. 1,8 Punkte werden proportional den anderen Parteien entzogen.
  6. Quellen für die Umfragen:
    1. TNS Emnid GmbH & Co. KG, Umfrage vom 14.01.2017
    2. Forschungsgruppe Wahlen e.V., Umfrage vom 13.01.2017
  7. Wikipedia, Umfragen zur offenen Vorwahl der Rechten und der Mitte, auf Französisch

 

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