Landtags­wahl 2017 in Schleswig-Holstein

Ergebnis der Landtagswahl in Schleswig-HolsteinErgebnis der Landtagswahl in SH - Gewinne und Verluste

Die Landtagswahl in Schleswig-Holstein fand am 7. Mai 2017 statt. Bei der Wahl wurden die 73 Abgeordneten des schleswig-holsteinischen Landtags in Kiel gewählt.

Analyse zum Ergebnis der Landtagswahl in Schleswig-Holstein

CDU auf Platz eins: Zwei Koalitionen sind möglich

Keine Überraschung für die CDU beim Wahl­ergebnis der Landtags­wahl in Schleswig-Holstein: Die CDU erreicht wie erwartet 32,0 Prozent­punkte. Das sind 1,7 Prozent­punkte mehr als bei der letzten Landtags­wahl im Jahr 2012. Bei unserer letzten Prognose vor der Wahl lag das zu erwartende Ergebnis bei 32,5 Prozent.

Daniel Gunther, Ministerpräsident nach der Landtagswahl in SH

Daniel Günther (CDU) wird als Minister­präsident Schleswig-Holsteins Nachfolger von Torsten Albig (SPD).

Foto: Olaf Kosinsky. Lizenz: CC BY-SA 3.0. Quelle: Wikimedia

Zwei Koalitions­möglichkeiten eröffnen sich der CDU Schleswig-Holstein – in beiden Fällen würde die CDU den Minister­präsidenten stellen:

  • Eine Jamaika-Koalition mit den Grünen und der FDP. Laut Ergebnis kommen die drei Parteien zusammen auf 56,4 Prozent der Wähler­stimmen.
  • Eine große Koalition mit der SPD. Diese Konstellation würde 59,2 Prozent der Wähler repräsentieren.

Wahldebakel für die SPD

Mit Ausnahme der Legislatur­periode 2009–2012, die durch eine vorzeitige Wahl beendet wurde, ist die SPD seit 1988 ununterbrochen Teil der verschiedenen Regierungs­koalitionen gewesen.

Bei der Landtagswahl 2017 verliert die SPD nun 3,2 Prozent­punkte. Mit 27,2 Prozent der Wähler­stimmen kann sie rechnerisch weder die „Küsten­koalition“ (auch Dänen-Ampel genannt) mit den Grünen und der SSW fortsetzen noch eine rot-rot-grüne Koalition eingehen.

Eine große Koalition wäre also die einzige Möglichkeit für die SPD, nach der Landtags­wahl nicht Oppositions­partei zu werden.

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Die Grünen erhalten ihren Status quo

Die Grünen könnten trotz leichter Verluste (0,3 Prozentpunkte) 12,9 Prozent der Wähler überzeugen. Ein erstaunlich hohes Ergebnis für die Grünen, da die Partei derzeit bei Umfragen zur nächsten Bundestags­wahl nur sieben bis acht Prozent erreicht.

Dieser relative Erfolg der Grünen in Schleswig-Holstein im Vergleich zu den schwachen bundes­weiten Umfrage­ergebnissen der Partei ist sicher mit der hohen Beliebtheit der beiden Spitzen­kandidaten zu erklären.

Landtagswahl in Schleswig-Holstein: Kandidat der Grünen

Robert Habeck war mit Monika Heinold Spitzenkandidat der Grünen für die Landtagswahl in Schleswig-Holstein.

Foto: Stephan Röhl. Lizenz: CC BY-SA 2.0. Quelle: Heinrich-Böll-Stiftung auf Flickr

Die 58-jährige Monika Heinold war in der Legislatur­periode 2012–2017 amtierende Finanz­ministerin Schleswig-Holsteins und bei der Landtagswahl 2017 zum dritten Mal Spitzen­kandidatin der Grünen.

Ihr Kollege Robert Habeck wäre bei der Urwahl der Grünen im Vorfeld zur Bundestags­wahl 2017 beinahe Spitzen­kandidat der Grünen auf Bundes­ebene geworden. Habeck erhielt 35,74 Prozent der Stimmen. Schließlich wurde Cem Özdemir mit nur 0,22 Prozent­punkten mehr zum männlichen Vertreter der Doppel­spitze gewählt.

Die FDP im Aufschwung

Landtagswahl Schleswig-Holstein - Kandidat der FDP

Wolfgang Kubicki war Spitzenkandidat der FDP für die Landtagswahl in Schleswig-Holstein.

Foto: LSE German Symposium. Lizenz: CC BY 2.0. Quelle: Flickr

Die FDP konnte in Schleswig-Holstein ein deutlich höheres Ergebnis verzeichnen, als es der derzeitige bundes­weite Trend der Partei zeigt. Bei der Landtags­wahl 2017 bekam die Partei etwa 11,5 Prozent der Wähler­stimmen. Dies bedeutet ein Plus von 3,3 Prozent­punkten gegenüber 2012.

AfD überwindet nur knapp die Fünf-Prozent-Hürde

Die Wahl in Schleswig-Holstein war für die AfD existenziell. Zum ersten Mal seit September 2013 drohte der Partei, an der Fünf-Prozent-Hürde zu scheitern. Dies wäre für die AfD im Hinblick auf die kommende Landtagswahl in NRW und auf die Bundestags­wahl im Herbst 2017 überaus kritisch gewesen.

Das Ergebnis der AfD ist für die Partei extrem schwach: 5,9 Prozent­punkte. Einen so niedrigen Wert hatte die AfD bei Landtags­wahlen seit zwei Jahren nicht mehr. Zum Vergleich: Bei den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt im Jahr 2016 erreichte die Partei noch über 20 Prozent.

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Die Linke scheitert an dem Wiedereinzug in den Landtag

Für die Linke ist das Ergebnis der Landtagswahl 2017 in Schleswig-Holstein katastrophal: Die Partei bekommt 3,8 Prozent der Wähler­stimmen und verpasst damit den Wieder­einzug ins Parlament. Dennoch ist das Ergebnis der Partei um 1,6 Prozent­punkte höher als bei der letzten Landtags­wahl.

Zuletzt war die Linke in der Legislatur­periode 2009–2012 im schleswig-holsteinischen Landtag vertreten. Damals erreichte die Partei sechs Prozent und konnte sechs von 95 Sitzen im Landtag für sich beanspruchen. Bei der Landtags­wahl 2012 stürzte die Linke auf 2,3 Prozent ab und ist seitdem im Landtag nicht mehr vertreten.

Leichte Verluste für die SSW, Piraten vor dem Aus

Die Regionalpartei SSW (Süd­schleswigscher Wähler­verband) ist die Partei der dänischen Minderheit in Schleswig-Holstein. Als Partei einer nationalen Minderheit ist sie von der Sperr­klausel aus­genommen. So wird die SSW mit etwa 3,3 Prozent weiterhin im Landtag vertreten sein.

Die Piratenpartei zog bei der letzten Landtags­wahl mit stolzen 8,2 Prozent­punkten in den Landtag. 2017 konnten die Piraten nur 1,2 Prozent der Wähler überzeugen und müssen aus dem Landtag ausscheiden

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Sitzverteilung im Landtag von Schleswig-Holstein

Obwohl der Landtag von Schleswig-Holstein regulär aus 69 Sitzen besteht, kann die Anzahl der Abgeordneten wegen Überhang- und Ausgleichsmandaten in der Praxis deutlich größer ausfallen.

Laut amtliches Ergebnis ergibt sich folgende Sitzverteilung im Landtag (73 Sitze):

Landtagswahl Schleswig-Holstein: Sitzverteilung nach der Wahl

Landtagswahlen in Schleswig-Holstein

1950 bis 2005: Duell zwischen SPD und CDU

Von 1950 bis in die späten 1980er-Jahre regierte in Schleswig-Holstein die CDU ununterbrochen. Ab 1988 drehte sich der Wind und die SPD konnte vier Wahlperioden in Folge ohne CDU regieren, bis zur Landtagswahl 2005, die im Land zur ersten und bisher einzigen großen Koalition führte.

2009 bis 2017: Neue Parteien mischen sich ein

Bei der vorletzten Landtagswahl im Jahr 2009 lag die CDU neun Prozentpunkte vor der SPD, sie konnte mit der FDP eine schwarz-gelbe Koalition bilden. Bei der letzten Wahl im Jahr 2012 unterlag die SPD der CDU um nur 0,4 Prozentpunkte. Die SPD bildete mit den Grünen und mit dem Südschleswigschen Wählerverband (SSW), der Partei der dänischen Minderheit, eine sogenannte Dänen-Ampel oder rot-grün-blaue Koalition.

Bei der Landtagswahl 2017 wird die 2013 gegründete AfD in Schleswig-Holstein zum ersten Mal antreten. Laut Umfragen liegt die AfD im Land jedoch unter ihrem bundesweiten Durchschnitt, könnte aber bei Überwindung der Fünf-Prozent-Hürde als fünfte Partei in den Landtag einziehen.

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One Comment

  1. Es gäbe für die SPD nicht nur die Große Koalition, auch eine Ampelkoaliton aus SPD, Grüne und FDP wäre möglich, allerdings hat die FDP angekündigt, dass dies nur ohne den bisherigen (abgewählten) Ministerpräsidenten Albig möglich wäre, Ähnlich wie die FDP eine schwarz-gelb-grüne Koaliton mit der Union präferiert, präferieren die Grunen ebene diese Ampel unter Führung der SPD. Möglich wäre auch eine Einbindung des SSW in eine schwarz-grüne oder schwarz-grün-gelbe Koalition. Das würde die Konservativen im SSW freuen, wird zurzeit aber noch vom SSW abgelehnt. Es muss übrigens „der“ SSW (nicht „die“) heißen.

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