Ergebnis der Bundestagswahl 2017

Aktuell: endgültiges Ergebnis bekannt (12.10.2017)

Die Bundestagswahl 2017 fand am 24. September 2017 statt, mehr als 40 Parteien waren zur Wahl zugelassen.

Ergebnis der Bundestagswahl 2017

Endgültiges Ergebnis der BundestagswahlEndgültige Ergebnisse der Bundestagswahl 2017

Ergebnis der Bundestagswahl 2017:Ausgangslage

Die Union gewinnt die Bundestagswahl 2017 mit 32,9 Prozent der Stimmen. Dies entspricht einem Verlust von 8,6 Prozent gegenüber der letzten Bundestagswahl im Jahr 2013.

An zweiter Stelle steht wie erwartet die SPD mit 20,5 Prozentpunkten. Sie hat damit im Vergleich zur letzten Bundestagswahl 5,2 Prozentpunkte verloren.

Angela Merkel erneut Kanzlerin

Angela Merkel ist seit 2005 Bundeskanzlerin.

Foto: Giorgio Montersino. Quelle: Flickr. Lizenz: CC BY 2.0

Die AfD zieht erstmals in den Bundestag ein und landet mit 12,6 Prozent der Wählerstimmen auf dem dritten Platz, vor der FDP. Die Liberalen gewinnen 5,9 Prozentpunkte hinzu und bekommen 10,7 Prozent der Stimmen.

Die Linke und die Grünen bleiben im Vergleich zur letzten Bundestagswahl stabil und landen auf Platz vier und fünf.

Alternative Darstellung bei getrennten Ergebnissen für CDU und CSU

In der allgemeingültigen Darstellung von Wahlprognosen und Wahlergebnissen werden die Parteien CDU und CSU gemeinsam dargestellt. Dafür gibt es unter anderem folgende Gründe:

  • Beide Parteien bilden im Bundestag eine gemeinsame Fraktion
  • Die CDU tritt in allen Bundesländern außer in Bayern an, die CSU kandidiert hingegen nur in Bayern

Horst Seehofer, Vorsitzender der CSU

Horst Seehofer, Vorsitzender der CSU

Foto: EPP. Quelle: Flickr. Lizenz: CC BY-SA 2.0

Dennoch ist es durchaus sinnvoll, beide Parteien auch getrennt darzustellen. Bei der Bundestagswahl 2017 bekam die Union 32,9 Prozent der Stimmen (15,3 Millionen). Die Stimmen für die Schwesterparteien waren dabei wie folgt aufgeteilt:

  • CDU: 81,3 Prozent (12,4 Millionen)
  • CSU: 18,7 Prozent (2,9 Millionen)

Bei dieser alternativen Darstellung fällt z.B. der Unterschied zwischen CDU und SPD kleiner aus:

Alternative Darstellung des Wahlergebnisses der Bundestagswahl (CDU und CSU getrennt)

Sitzverteilung im Bundestag

Der Bundestag setzt sich regulär aus 598 Sitzen zusammen. In der Praxis ist die Anzahl der Abgeordneten wegen Überhang- und Ausgleichs­mandaten deutlich höher: Zu Beginn der Legislaturperiode 2013–2017 hatte der Bundestag 631 Abgeordnete.

Die Anzahl der Abgeordneten im neuen Bundestag (709 laut Bundeswahlleiter) fällt noch höher aus als im bislang größten Bundestag im Jahr 1994: Damals gab es 672 Bundestagsabgeordnete.

Sitzverteilung im Bundestag - Ergebnis der Wahl 2017

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Geschlechterverhältnis im Bundestag

Zu Beginn der neuen Legislatur­periode beträgt der Anteil weiblicher Abgeordneter im Bundestag 30,7 Prozent. Der Frauen­anteil im neuen Bundestag ist um fast sechs Prozent­punkte niedriger als in der Legislatur­periode 2013-2017 (36,5 Prozent).

Frauenanteil im Bundestag

Im 19. Deutschen Bundestag sitzen also mehr als doppelt so viele Männer wie Frauen.

Wahlergebnis unter Berück­sichtigung des Nichtwähleranteils

Bei der allgemein üblichen Darstellung der Wahl­ergebnisse wird die Wahl­beteiligung von etwa 70 bis 78 Prozent (76,2 Prozent bei der Bundestagswahl 2017) nicht berück­sichtigt. Es besteht jedoch die Möglichkeit, die für eine Partei abgegebenen Stimmen in Relation zu der Zahl der Wahl­berechtigten (und nicht zu den abgegebenen Stimmen) zu setzen wie bei dem hier dar­gestellten Diagramm:

Wahlergebnis der Bundestagswahl


Koalitionen nach der Bundestagswahl

Bei den möglichen Koalitionen im Bundestag wird mit einer Besetzung des Landtags mit 709 Sitzen gerechnet. Daraus ergibt sich ab 355 Sitzen eine Mehrheit im Bundestag.

Koalitionen nach der Bundestagswahl

Rein rechnerisch gibt es nur zwei Koalitionen, die eine Mehrheit im Bundestag hätten:

  • Große Koalition aus Union und SPD
  • Jamaika-Koalition zwischen Union, FDP und Grünen

In den folgenden Diagrammen ist jeweils die Anzahl der Sitze möglicher Koalitions­parteien im Bundestag angegeben. Der Pfeil markiert den Punkt, ab dem eine Koalition mehrheits­fähig ist.

Legende: Grüne Zahlen bedeuten eine Mehrheit der Wähler­stimmen beziehungs­weise der Sitze im Bundestag. Rote Zahlen hingegen signalisieren, dass diese Koalition keine Mehrheit hat.

Große Koalition (CDU + SPD)

CDU
246
SPD
153
Restl.
310
  • Wählerstimmen laut Ergebnis: 53,4 %
  • Sitze im Bundestag laut Ergebnis: 399 von 709
  • Letzte Große Koalition im Bundestag: 2013 – 2017

Eine neue Große Koalition hat die SPD am Wahl­abend kategorisch abgelehnt.

Jamaika-Koalition (CDU + FDP + Grüne)

CDU
246
FDP
80
G
67
Restl.
316
  • Wählerstimmen: 52,5 %
  • Sitze im Bundestag: 393 von 709
  • Letzte Jamaika-Koalition im Bundestag: noch nie vorgekommen

Nach der Ankündigung der SPD, in die Opposition zu gehen, ist eine Jamaika-Koalition die einzige mögliche Koalition. Sie wäre auf Bundes­ebene ein Novum, auf Landes­ebene allerdings nicht:

  • In Schleswig-Holstein regiert seit der Landtagswahl im Mai 2017 eine Jamaika-Koalition.
  • Im Saarland regierte von 2009 bis 2011 die bundesweit erste Koalition aus CDU, FDP und Grünen, die nach nur zwei Jahren allerdings vor­zeitig beendet wurde.1

Jamaika (oder Jamaika) als Koalition nach der BTW?

Die Flagge des karibischen Inselstaats Jamaika (→ Karte)

Die Aussicht auf eine schwarz-gelb-grüne Koalition stößt in der Bevölkerung nicht auf große Begeisterung: In einer Umfrage zu den möglichen Koalitionen nach der Bundestags­wahl 2017 bewerteten nur 9 Prozent der Teil­nehmer eine Jamaika-Koalition als geeignet, um Deutschland nach der Bundestagswahl voranzubringen:2

Kommt eine Jamaikakoalition im Bundestag?

Rot-rot-grün-gelbe Koalition (SPD + Linke + Grüne + FDP)

SPD
153
L
69
G
67
FDP
80
Restl.
340
  • Wählerstimmen laut Ergebnis: 49,3 %
  • Sitze im Bundestag: 369 von 709
  • Letzte R2G+FDP-Koalition im Bundestag: noch nie vorgekommen

Eine Koalition zwischen den Parteien SPD, Linke, Grüne und FDP kommt rein rechnerisch zu einer Mehrheit im Bundestag. Eine solche Koalition gilt als aus­geschlossen, sie wurde dennoch auf mehr­fachen Leserwunsch hinzugefügt.

Schwarz-gelbe Koalition (CDU + FDP)

CDU
246
FDP
80
Restl.
383
  • Wählerstimmen laut Ergebnis: 43,6 %
  • Sitze im Bundestag laut Ergebnis: 383 von 709
  • Letzte schwarz-gelbe Koalition im Bundestag: Wahl­periode 2009 – 2013

In den letzten Monaten erlebte die FDP einen raschen Zuwachs bei Umfragen zur Bundestags­wahl. Die nach der Landtagswahl in NRW entstandene schwarz-gelbe Koalition ließ ein ähnliches Ergebnis bei der Bundestags­wahl 2017 kurzfristig realistisch erscheinen. Nach der Wahl wurde klar: das schlechte Ergebnis der Union machte Schwarz-Gelb rechnerisch einfach unmöglich.

Warum gibt es keine Koalition mit der AfD?

Es gibt zwei Gründen dafür, dass auf dieser Seite keine Koalitions­möglich­keiten mit der AfD vorgestellt werden:

  1. Die AfD selbst schließt vorerst eine Regierungs­beteiligung aus. Laut Fraktions­vorsitzender Alice Weidel wird die Partei erst nach der nächsten Bundestags­wahl, die voraus­sichtlich im Herbst 2021 statt­finden wird, Regierungs­politik machen.3
  2. Alle im Bundestag vertretenen Parteien haben bereits vor der Wahl ein Bündnis mit der AfD ausgeschlossen.

Umfrage zum Ergebnis der Bundestagswahl

Laut einer Umfrage4 vom 25.09.2017, dem Tag nach der Bundestags­wahl, sind 82 Prozent der Wähler sehr oder eher unzufrieden mit dem Ergebnis der Bundestags­wahl. Lediglich 5,2 Prozent der Befragten gaben an, sehr zufrieden mit dem Ergebnis zu sein:

Zufriedenheit der Wähler über das Wahlergebnis der Bundestagswahl

Wahlbeteiligung bei der Bundestagswahl 2017

Wahlbeteiligung bei der Bundestagswahl 2017

Ergebnisse der Kleinparteien

Nur drei der Kleinparteien liegen oberhalb der Grenze von 0,5 Prozent der abgegebenen gültigen Zweit­stimmen. Ab diesem Ergebnis haben Parteien Anspruch auf staatliche Teilfinanzierung.

Bei der Bundestagswahl 2017 gab es 460.849 ungültige Zweit­stimmen. Das sind mehr Stimmen, als jede Kleinpartei (außer FW) erreicht hat.

Ergebnis der Kleinparteien

  • Freie Wähler (FW)
    Die Freien Wähler verbessern ihr Ergebnis der letzten Bundestags­wahl deutlich: Die größte der Klein­parteien konnte ein halbe Million Wähler überzeugen.
  • Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tier­schutz, Eliten­förderung und basis­demo­kratische Initiative (Die PARTEI)
    Fast genauso viele Stimmen wie die Freien Wähler erhielt die Spaß­partei „Die Partei“. Die PARTEI konnte ihr Ergebnis aus dem Jahr 2013 versechs­fachen. Möglicher­weise ist dies auf die geplante Bierpreisbremse5 zurückzuführen.
  • Partei Mensch Umwelt Tierschutz (Tierschutzpartei)
    Mit 374.179 Zweitstimmen verdreifachten die Tier­schützer beinahe ihr Ergebnis der letzten Bundestags­wahl. Damit sichert sich die Tierschutz­partei ebenfalls ihren Anspruch auf staatliche Teilfinanzierung.

Endgültiges Wahlergebnis der Kleinparteien bei der BTW (NPD, Piraten und ÖDP)

  • Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD)
    Zum vierten Mal in Folge verschlechtert sich das Ergebnis der NPD bei Bundestagswahlen. Im Vergleich zur Wahl 2013 bekommt die NPD 2017 dreimal weniger Stimmen. Mit 176.715 Zweitstimmen (0,4 Prozentpunkte) liegt sie nun auf Platz 11.
  • Piratenpartei Deutschland (Piraten)
    Noch dramatischer ist der Sturz für die Piratenpartei, die bei der letzten Bundestagswahl fast eine Million Wähler überzeugen konnte. Die Piraten bekommen bei der Bundestagswahl 2017 nur 173.476 Zweitstimmen (0,4 Prozentpunkte).
  • Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP)
    Das Ergebnis der ÖDP bei Bundestagswahlen bleibt seit 2009 stabil. Bei der Wahl 2017 kann die Partei einen leichten Zuwachs (ca. 18.000 Stimmen) verzeichnen: Die ÖDP bekommt den Zuspruch von 0,3 Prozent der Wähler (144.772 Zweitstimmen).

Details über die weiteren Kleinparteien folgen in Kürze.

Was kommt nach der Wahl?

Nur drei Wochen nach der Bundestagswahl findet in Niedersachsen die Landtags­wahl statt. Nieder­sachsen ist an der Bevölkerung gemessen das viert­größte Bundes­land (7,9 Millionen Einwohner). Mehr über die Landtagswahl in Nieder­sachsen erfahren Sie im folgenden Artikel:

Wann gibt es ein vorläufiges oder endgültiges amtliches Ergebnis?

Bei Landtags- und Bundestagswahlen wird bereits wenige Stunden nach dem Schließen der Wahl­lokale um 18.00 Uhr das vorläufige amtliche End­ergebnis verkündet. Ein end­gültiges amtliches End­ergebnis gibt es erst einige Tage bis wenigen Wochen nach der Wahl.

Als Anhaltspunkt für den Ablauf der Bundestags­wahl 2017: Bei der letzten Bundestagswahl, die am 22. September 2013 stattfand, gab der Bundes­wahl­leiter in der Nacht nach der Wahl um 3.15 Uhr das vor­läufige amtliche Ergebnis bekannt. Das end­gültige Ergebnis der Wahl wurde am 9. Oktober, also 17 Tage nach der Wahl, vom Bundes­wahl­ausschuss festgestellt6.

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Fußnoten anzeigen

  1. Quelle: shz.de, Lehren aus der Jamaika-Koalition: Wo der politische Prototyp scheiterte, 10. Mai 2017
  2. Nichtrepräsentative Umfrage mit 28.530 Teilnehmern auf bundestagswahl-2017.com, von Juni 2016 bis zum 25. September 2017
  3. Quelle: Frankfurter Rundschau, Alice Weidel will die AfD an die Macht bringen, 16.09.2017
  4. Nichtrepräsentative Umfrage mit 10.000 Teilnehmern auf bundestagswahl-2017.com, 25.09.2017
  5. Quelle: PARTEI-Programm zur Bundestagswahl 2017, Bierpreisbremse jetzt!
  6. Endgültiges amtliches Ergebnis der Bundestagswahl 2013, Pressemitteilung des Bundeswahlleiters vom 09.10.2013

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11 Comments

  1. Überparteilich? Da hätte man ja wenigstens nur mal zur Info die prozentual stärkste Koalition aufführen können: Bahamas!

  2. Ich verstehe gar nicht, dass die Leute weiterhin AfD wählen, so dass sie in den Bundestag einziehen können. Lernen Sie denn nichts aus der Vergangenheit?

  3. Es gibt natürlich auch noch die Variante „Schwarz-Rot-Gold“ mit einem SPD-Kanzler – heute unwahrscheinlich, aber wenn keine andere Koalition zu Stande kommt und keine Neuwahlen abgehalten werden, wird dies einfach die vernünftigste Koalition sein.

  4. Nach meinen Berechnungen wollen 75 % der deutschen Wahlberechtigten keine CDU und 60% weder CDU noch SPD.
    Wie war das gleich nochmal, wenn eine Minderheit über die Mehrheit regiert? Das schreit nach Neuwahlen!

    Das Wahlsystem sollte grundlegend überarbeitetet werden! Damit das VOLK auch von der wirklich mehrheitlich gewählten Partei regiert wird.

  5. Man sieht wie wenig Vertrauen die Wähler in die große Koalition hatten. Erst recht mit Angela Merkel an der Spitze. Wieso hat die CDU sonst so viele Stimmen verloren?

    Die SPD ist abgestraft worden, sich vor vier Jahren mit Merkel eingelassen zu haben.
    Eine Regierungsbildung mit Schwarz an der Spitze ist ja die schlechteste Lösung, die man sich vorstellen kann. Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl und hoffentlich bald auch Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel haben Deutschland heruntergewirtschaftet, so dass die SPD es schwer haben wird, da wieder raus zu kommen.

  6. Es bleibt immer noch die nicht aufgeführte Koalition rot-rot-grün-gelb.
    Diese Lösung wäre bestimmt für Deutschland noch besser als ein konservative Regierung!

  7. Es war abzusehen, dass Frau Merkel weiter regieren und dass der Kandidat der SPD – noch neu im Geschäft – keinen Regierungs-auftrag bekommen würde. Die GroKo ist durch das Wahlergebnis eindeutig abgewählt (-13,7%) und somit ist es für die SPD konse-quent in die Opposition zu gehen. Die Kanzlerin wird die Jamaika-Koalition zustande bringen, das kann man von ihr erwarten.

  8. Da sehen wir mal was für ein Wicht der Schulz ist. Da macht er sich vor der Wahl ganz groß
    Und sagt „100%, ich will Kanzler werden. Jetz nach der Wahl redet er nur noch davon das WIR verloren haben.
    Der Wahlkampf war doch nun wirklich auf Schulz zu geschnitten!

    Das er jetzt in der „Berliner runde“ weint und dann frau Merkel die Schuld an seiner Niederlage gibt ist absolut lächerlich.

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